Bad Schandau: Brücke im Test und dann Freigabe für den Verkehr?

Bad Schandau: Brücke im Test und dann Freigabe für den Verkehr?

Bad Schandau: Brücke im Test und dann Freigabe für den Verkehr?
Quelle: SMIL/Freystein

Ist das ein Hoffnungsschimmer? Im April soll an der gesperrten Brücke in der Sächsischen Schweiz ein Belastungstest durchgeführt werden. 

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„Neben der intensiven Prüfung der Eisenbahnbrücke und des Baus einer Behelfsbrücke als Übergangslösung habe ich zugesagt, bis Mitte des Jahres auch Klarheit zur Weiternutzung der gesperrten Elbbrücke zu schaffen“, sagte Sachsens Infrastrukturministerin Regina Kraushaar bei einer Pressekonferenz zur Brücke in Bad Schandau. Die Elbquerung ist seit dem 6. November 2024 wegen Zweifeln an der Tragfähigkeit bis auf Weiteres gesperrt. „Voraussichtlich in der ersten Aprilhälfte 2025 wird es einen Belastungsversuch geben. Dafür nehmen wir rund 300.000 Euro in die Hand und verkürzen den Prüfzeitraum um mehrere Monate“, so die Politikerin weiter.

In Untersuchungen wurden erhebliche Schäden festgestellt, die Standsicherheit soll nicht beeinträchtigt sein. Beeinträchtigt ist dagegen der Verkehr, der Anlieger und Pendler zu wesentlich längeren Fahrzeiten zwingt. Firmeninhaber und Unternehmer in der Sächsischen Schweiz klagen immer lauter über Umsatzeinbrüche. Im Januar 2025 wurde eine Behelfsbrücke diskutiert, nun gibt es neue Erkenntnisse. „Aktuelle Untersuchungen des verbauten Brückenstahls haben Anzeichen einer nur geringen bis moderaten Schädigung zu Tage gefördert – aber wir müssen im Lichte des Einsturzes der Carolabrücke auf alles gefasst sein“, so Prof. Steffen Marx, Direktor des Institutes für Massivbau an der Technischen Universität Dresden. Ein autonom fahrendes Schwerlastmodul wird die Last auf der Brücke kontinuierlich steigern und so auf experimentellem Weg unmittelbar den Nachweis der Tragsicherheit führen. Dieser Test ist für April geplant.

Beim Versuch wird die Belastung schrittweise erhöht, bis entweder die sogenannte Versuchsziellast erreicht ist oder erste Schäden an der Brücke auftreten – in diesem Fall müsste der Versuch abgebrochen werden. Die Versuchsziellast wird so berechnet, dass sie alle zukünftigen Verkehrslasten samt erforderlicher Sicherheitsreserven berücksichtigt. Dabei kommt eine »äquivalente Last« zum Einsatz, die die maximalen realen Verkehrsbelastungen nachbildet und im Tragwerk identische Reaktionen hervorruft. Auch extreme Temperaturbedingungen werden durch diese Methode simuliert.

Ein besonderes Risiko stellt die Spannungsrisskorrosion dar, die zu einem plötzlichen, spröden Versagen führen kann – wie es bereits bei der Carolabrücke geschah. Daher besteht, wenn auch nur in geringem Maß, die Gefahr eines unerwarteten Einsturzes während des Versuchs. Um dieses Risiko zu minimieren, wird die Brücke mit umfangreicher Messtechnik ausgestattet, die selbst kleinste Anzeichen von Materialschädigungen erfasst.

Die Belastung muss zudem so aufgebracht werden, dass keine Personen gefährdet werden. Deshalb kommen keine schweren Lastwagen zum Einsatz, sondern ferngesteuerte Schwerlastmodule, sogenannte SPMT (Self-Propelled Modular Transporter). Diese hochbelastbaren Fahrzeuge, die üblicherweise für Schwertransporte im Industrie- und Brückenbau genutzt werden, fahren wiederholt über die Brücke. Nach jeder erfolgreichen Überfahrt wird zusätzliches Gewicht aufgeladen. Gesteuert werden die Fahrzeuge per Fernbedienung vom Ufer aus.

Erweist sich der Versuch als erfolgreich, kann die Brücke vorerst wieder für das getestete Belastungsniveau freigegeben werden. Allerdings wird die zulässige Belastung unterhalb der ursprünglich geplanten Tragfähigkeit liegen, um weitere Schäden zu vermeiden. Die Elbebrücke Bad Schandau ist eine 292 m lange Straßenbrücke der Bundesstraße 172, die in der sächsischen Stadt Bad Schandau bei Stromkilometer 11,53 die Elbe überspannt. Das Bauwerk wurde 1977 errichtet. Zusätzliche Brisanz hatte die Sperrung in Bad Schandau, da im September 2024 in Dresden die Carolabrücke einstürzte.