Magdeburg ohne Intel – Stillstand oder Chance für echte Stadtentwicklung?

Magdeburg ohne Intel – Stillstand oder Chance für echte Stadtentwicklung?

Magdeburg ohne Intel – Stillstand oder Chance für echte Stadtentwicklung?
Quelle: Marcus Grundmann

Beim Magdeburger Immobiliengespräch von IMMOCOM in der Business Club AVNET-Arena ging es um wirtschaftliche Perspektiven, den neuen Flächenplan, steigende Wohnungsmieten, Logistikflächen und das Image der Stadt.

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Die Verzögerung der milliardenschweren Intel-Investition um mindestens zwei Jahre stellt Magdeburg vor große Herausforderungen. Gleichzeitig eröffnet sie die Möglichkeit, zentrale Stadtentwicklungsprojekte neu zu bewerten und gezielt weiterzudenken. Beim Magdeburger Immobiliengespräch in der Business Club AVNET-Arena wurde diskutiert, welche Weichen jetzt gestellt werden müssen, um trotz finanzieller Einschränkungen Fortschritte in den Bereichen Infrastruktur, Wohnungsbau und Gewerbe zu erzielen.

Standortentwicklung zwischen Unsicherheit und neuen Perspektiven

Besonders deutlich wurde, dass Magdeburg trotz Verzögerung oder Absage der Intel-Ansiedlung nicht in eine Schockstarre verfallen darf. Vielmehr erfordere die Situation eine strategische Neuausrichtung, um auch unabhängig von der Halbleiterindustrie attraktiv für Unternehmen und Investoren zu bleiben. Während große Infrastrukturprojekte wie die Verkehrsanbindung an die geplante Chipfabrik erst mit Verzögerung weiterverfolgt werden können, bleibt der Druck auf den Wohnungsmarkt bestehen.

Gewerbeimmobilien: Wachstum in der Logistik, Rückgang bei Büroflächen

Ein Beispiel für die weiterhin positive Entwicklung im Gewerbesektor ist die Fertigstellung des Panattoni Park Magdeburg West II. Mit 28.900 Quadratmetern neuer Hallenfläche bietet das Projekt dringend benötigte Flächen für Unternehmen aus Logistik, Produktion und E-Commerce. Die zentrale Lage an der A2 und A14 macht den Standort besonders attraktiv. „Der Panattoni Park schließt eine Versorgungslücke in der Region und schafft eine moderne, nachhaltige Basis für zukünftige Unternehmensansiedlungen“, erklärt Fred-Markus Bohne, Managing Partner von Panattoni Deutschland und Österreich, in einem Pressestatement.

Anders sieht es hingegen am Büroimmobilienmarkt aus. Wie aktuelle Marktdaten von DIP – Deutsche Immobilien-Partner zeigen, ist der Büroflächenumsatz in Magdeburg 2024 um 24 Prozent auf nur noch 12.200 Quadratmeter zurückgegangen – der stärkste Einbruch unter den mittelgroßen DIP-Bürozentren. Während Städte wie Hannover, Leipzig oder Karlsruhe leichte Zuwächse verzeichnen konnten, bleibt Magdeburg deutlich hinter den Erwartungen zurück. Dafür zeichnet aber nicht nur die Intel-Entscheidung verantwortlich, sondern die insgesamt vorsichtige Haltung vieler Unternehmen, die ihre Expansionspläne in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation überdenken.

Hier die Zitate zum Abend:

Peter Pfeffer, stellvertretender Vorsitz BFW Landesverband Mitteldeutschland e.V.: 

„Diejenigen, die hier sind, glauben an Magdeburg. Als Unternehmer darf man nicht stillstehen. Wir können auch ohne Intel – so wie 1972, als wir hier in diesem Stadion gewonnen haben.“

Sandra Yvonne Stieger, Beigeordnete für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit Landeshauptstadt Magdeburg:

„Intel erklärte uns, dass, wenn sich der Markt verändert, 2026 eine erneute Evaluierung stattfinden wird. Ich bin mir sicher: Wir haben europaweit die beste Fläche.“

„Wir dürfen nicht in Schockstarre verharren, hatten das Luxusproblem, dass wir die verfügbare Fläche an Intel verkauft haben. Nun gibt es keine Flächen mehr. Deshalb wird an einem neuen Flächenplan gearbeitet. Der Fokus liegt auf Restflächen und Brownfields.“

Michael Schirm, Key Account Management Energielösungen Stadtwerke Leipzig GmbH:

„Die Zeitenwende betrifft uns natürlich auch. Die Realisierung neuer Bauprojekte ist teilweise auf Eis gelegt, daher konzentrieren wir uns auf den Bestand. Es wird Zeit, dass hier angesetzt wird.“

Thomas Fischbeck, Vorstand MWG-Wohnungsgenossenschaft eG Magdeburg:

„Wir fahren unsere Aktivitäten zurück, beginnen keine neuen Projekte. In Hamburg stellt die Stadt Genossenschaften Grund und Boden zur Verfügung. Das wäre ein Impuls.“

„Die Mieten werden steigen, auch als Genossenschaft werden wir die Mieten erhöhen.

Carl Jobst Junicke, Geschäftsführender Gesellschafter Junicke Gruppe:

„Das Gravitationszentrum verlagert sich nach Mitteldeutschland, Sachsen-Anhalt ist das Bundesland mit der größten Zukunft. Der Gewinn der Intel-Ausschreibung ist ein deutlicher Beweis für die Qualität, die es hier gibt.“.

„Selbst wenn Intel nicht kommt, reicht meine Phantasie aus, um mir vorzustellen, dass dies in Zukunft ein wertvoller produktiver Standort für Mitteldeutschland sein wird. Bereiche wie Maschinenbau und Pharmazie sind zum Beispiel stark und kehren nach Deutschland zurück“

Christian Schauer, Development Manager Periskop Development GmbH (formerly DLE Land Development GmbH):

„Internationale Investoren glauben wieder an den Wohnungsmarkt in Deutschland.“

„Ich wünsche mir 3.000 Wohnungen am Elbhafen. Für uns als Elbhafen Projekt GmbH, seit Juni 2023 Eigentümerin des ehemaligen Fahlberg-List-Geländes und einer Gesellschaft mit zwei weiteren Unternehmen, ist es wichtig, eine klare Aussage zu erhalten: Bekommt die Stadt das Grundstück zurück oder nicht?“

Robert Vesely, Vizepräsident Immobilienverband Deutschland IVD, Geschäftsführung die immobilie: 

„Die Menschen sind bereit, mehr Miete zu zahlen, wenn der Standard stimmt. Boomer ziehen aus dem Umland in die Stadt.“

„Die Stadt hat sich auch ohne Intel hervorragend entwickelt. Intel wäre nur eine Abkürzung gewesen.“

„Die Dynamik liegt eher am Zinsmarkt als an Intel.“